Auswärtstour nach Lotte

ANNO 1902 on Tour : RB Leipzig
23. Dezember 2015
Tore von Fabian Schnellhard gegen Preußen Münster
23. Januar 2017

Auswärtstour nach Lotte oder „Können Frauen nicht zuhören?“

Autorin: Heike Sturz

Am 4.12. machten sich 5 Mitglieder unseres FC auf den Weg zum SF Lotte: Unter uns ein bibeltreuer Christ  – hm, eigenartig….. der als Beweisstück vorgesehene Gemeindebrief war spurlos verschwunden. Nun denn, in Lotte sollten die dringend benötigten Punkte für die Rückeroberung der Tabellenspitze eingesammelt werden

Bereits nach wenigen Kilometern erhielt ich Nachhilfe im Dosen-Saufen. Damit nicht noch mehr von der kostbaren Weintraubenbrause verschüttet wurde, bekam ich genaueste taktische Anweisungen, wie der Behälter tropf- und auslaufsicher zu halten ist. Da ich genau zugehört habe, konnte ich die Ausführungen der beiden Experten rechts und links neben mir umsetzen.

Unser erster Halt auf dem Rastplatz nutzten wir auch gleich für ein Foto-Shooting. Versuch Nr. 1 ging schief: die Fotografin  (ich) drückte aus Versehen den Video-Knopf. Der zweite Versuch gelang unter dramatischen Umständen: fast wäre die Fotografin an ihrem Standort von einem einparkenden Auto überfahren worden.

Bevor die Reise fortgesetzt werden konnte, mussten noch die Vorräte an Hopfenblütentee aufgefüllt werden. Dieser Vorrat wurde eigentlich am Vortag angelegt, doch noch am  Vorabend (!) größtenteils geplündert.

 

Im weiteren Verlauf der Fahrt kam ich übrigens zu der Erkenntnis, daß es sich bei dem KIA nicht um ein Auto, sondern um einen Experimentierkasten für neue Lebensformen handeln musste. Vielleicht habe ich den Umweltaktivisten nicht richtig zugehört; aber ich bin mir ziemlich sicher, daß die globale Erderwärmung in diesem Augenblick in diesem Wagen stattfand. Derart gegrillt ließ ich die letzte Umkleidekabine vor Verlassen der Autobahn aus.

 

Auf dem Parkplatz angekommen trafen wir ein weiteres FC-Mitglied. So vereint setzten wir unseren Weg fort um Frau Lotte zu suchen – und fanden sie auch.

 

Schnell noch ein Bratwürstchen im „Schiessstand“  geschossen, dann gingen wir auf unsere Plätze. Das jedenfalls war unser Plan. Wir zwei Mädels mussten allerdings Limbo tanzen, bevor wir die Bezirkssportanlage  betreten durften. Auf Anweisung der Ordnerin sollten wir eine Abkürzung nehmen: unter (!) der Absperrung hindurch. Wenigstens wurden wir höflich gefragt, ob wir „dazu noch in der Lage wären“.

 

Das Spiel wurde angepfiffen und es lief zunächst richtig gut. Den Gegner fest im Griff, bekamen unsere Zebras in der 10. Minute einen Freistoss zugesprochen. Der selbsternannte Schütze Zlatko Janjic scheitert zunächst am gegnerischen Keeper. Die jedoch etwas mißglückte Abwehr  verwandelte Tim Albutat in die bis dahin völlig verdiente Führung. Das Spiel ging munter weiter. Die Fans stimmten gut gelaunt ihre Gesänge an und man bestaunte die eine oder andere ausgelassene Torchance. Man ärgerte sich über die Unfähigkeit des Schiris, über die üble Treter-Mentalität des Gegners, kurzum: bis dahin also ein völlig gewöhnliches Fußballspiel. Bis zur Minute 26: Baris Özbek hatte gerade Pech beim Denken, als er sich

– bis in die Haarspitzen provoziert – zu mehreren (!) Tätlichkeiten hinreissen ließ. Folgerichtig wurde er mit Rot vom Platz gestellt. Eigentlich hätten auch diverse Spieler von Lotte in diesem Augenblick wegen groben Unfugs verhaftet werden müssen. Jedoch sah der überforderte Schiri darüber großzügig hinweg.

 

Was nun? War die gerade eben erst zurückeroberte Tabellenführung in Gefahr? Ja, das war sie tatsächlich zwischendurch. Aber wie heißt es so schön: „Fortes fortuna adiuvat!“.  Die Lateiner unter uns wissen: „Das Glück begünstigt die Mutigen“. Nach einer kurzen Erprobung der Chaostheorie  während der gegnerischen Angriffe konnte dank einer herausragenden Mannschaftsleistung die Führung verteidigt und sogar noch ausgebaut werden. Das Spiel endete 2:0 für unsere Zebras.

Erwähnenswert sei noch ein bißchen zusätzliche blaue Beleuchtung, dann traten wir den Heimweg an. „Weg“ ist dabei allerdings nicht der richtige Ausdruck. Die Abkürzung unseres Chauffeurs  führte uns über einen zugefrorenen Ziegentrampelpfad am Rande eines Ackers. Vorsichtig durchquerten wir diese Einöde und auch der unerwartete Fund eines großen Haufen Porzellangeschirrs konnte unseren Unmut nicht mindern.

Heil am Auto angekommen ließ sich die Partybrigade Duisburg-West zu einem Picknick nieder. Zum Schmausen gab es Oma`s Fleischwurst, Brötchen, Weihnachtsplätzchen  und Wurstsalat. Der kulinarische Höhepunkt war aber eindeutig die in Weißwein gegarte Hähnchenbrust an Knoblauch in einem Bett aus Petersilie!

Es war sogar noch Weintraubenbrause da….nun, Adel verpflichtet und so wurde auch dieses Getränk fachgerecht entsorgt.

 

Infolgedessen litt die Schreiberin dieser Zeilen auf der Rückfahrt doch etwas unter einer eingeschränkten Aufnahmefähigkeit. Einer unsere Annos unterhielt uns mit amüsanten Geschichten aus seinem Leben. Doch die Gehirnzelle auf der diese Informationen abgespeichert werden sollten, ist in der weiterhin vorhandenen Gluthitze vermutlich verdorrt. Plötzlich gab es Leo II Panzer bei Sachtleben zu kaufen, Huntsman und Thyssen vertauschten ihre Firmenstandorte, selbst der in Bergheim ortsansässige Dönerman wurde kurzerhand in die City versetzt. Sogar der Nikolaus besuchte irgendwelche schweren Jungs.Unser bibeltreuer Christ  behauptete steif und fest, ich hätte nicht richtig zugehört. Er meinte, daß wäre sowieso eine spezielle Eigenschaft von Frauen.

 

Übrigens war auch die Rückfahrt nicht ganz ungefährlich: wir wurden fast vom Tod durch Erstinken dahingerafft. Der Verursacher dieses analen Hygiene-Notfalls wurde sofort entlarvt und zur drastischen Frischluftzufuhr durch sofortiges Herunterlassen des Fensters gezwungen. Dank der lautstarken Proteste der weiblichen Passagiere wiederholte sich dieser Vorfall nicht und unser Chauffeur lieferte uns alle wohlbehalten zu Hause ab.